Hier die Konzeption (Stand Februar 2016) zum Herunterladen:

Konzeption 2016 Endfassung online

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort 

1   Rahmenbedingungen unserer Einrichtung

1.1              Unser rechtlicher Auftrag

1.2              Informationen zum Träger und zur Einrichtung

1.3              Räumlichkeiten

1.4              Personal 

1.5              Organisation

1.6              Öffnungszeiten

1.7              Aufnahmeverfahren und Buchungskosten

2   Unser Leitbild – Prinzipien unseres Handelns für Kinder und ihre Familien

2.1              Unser Selbstverständnis – Kinder und Familien im Mittelpunkt

2.2              Unser pädagogischer Ansatz

2.3  Unser lokales Netzwerk

2.4              Bildungsqualität und Innovation – Unsere Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung

3   Übergänge des Kindes im Bildungsverlauf – Vernetzung seiner Bildungsorte

3.1              Übergang in das Kinderhaus

3.2              Übergang in die Grundschule und den Hort

4   Bildung und Erziehung – Unser Angebot für die Kinder

4.1             Grundprinzipien der Bildungs- und Erziehungsarbeit

4.1.1         Mitwirkung der Kinder (Partizipation)

4.1.2           Individuelle Unterschiede der Kinder als Bereicherung – Integration/Inklusion

4.1.3           Anregende Lernumgebung und Exkursionen

4.1.4         Ganzheitliche Bildung – Lernen in Projekten und Alltagssituationen im Mittelpunkt

4.1.5           Angebotsvielfalt – Planung und Dokumentation der Bildungsarbeit in der Einrichtung

4.1.6           Beobachtung und Dokumentation der individuellen Lernprozesse der Kinder

4.2              Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsziele – Stärkung der Basiskompetenzen des Kindes

4.2.1         Werteorientiert und verantwortungsvoll handelnde Kinder

4.2.2           Sprach- und mediengewandte Kinder

4.2.3         Fragende und forschende Kinder

4.2.4         Künstlerisch aktive Kinder

4.2.5         Starke Kinder

5   Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

6   Literaturverzeichnis

 

Vorwort

Diese Konzeption legt die Grundlagen der pädagogischen und organisatorischen Arbeit des Kinderhaus Pusteblume fest und wird einmal pro Jahr überprüft und aktualisiert. Sie ermöglicht, die Qualität der Arbeit nach innen und außen sichtbar und überprüfbar zu machen. Weitere Ziele und Planungen müssen sich daran orientieren.

 

1          Rahmenbedingungen unserer Einrichtung

1.1       Unser rechtlicher Auftrag

Kindertageseinrichtungen sind Teil des Bildungssystems. Sie haben nicht nur den Auftrag zur Betreuung der Kinder, sondern auch zu ihrer Erziehung und Bildung. Dieser Auftrag ist durch Art. 30 des Bayerischen Gesetzes zur Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern in Kindergärten, anderen Tageseinrichtungen und in Tagespflege vom Juli 2005 festgelegt. Unsere Einrichtung erfüllt die Fördervoraussetzungen und besitzt die notwendige gültige Betriebserlaubnis und wird deshalb vom Freistaat Bayern gefördert.

Uns kommt es nicht nur darauf an, die Anforderungen des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes (BayKiBiG) umzusetzen, sondern wir sehen uns als Partner zur Unterstützung der familiären Erziehung durch die Eltern.

Die Pädagogik unseres Kinderhauses orientiert sich außerdem am Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP).


1.2       Informationen zum Träger und zur Einrichtung

Das Kinderhaus Pusteblume ist ein Elterninitiativ-Kindergarten mit einer Gruppe, in dem Kinder ab dem Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt von einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einem Elterndienst (siehe unter 1.5) betreut werden.

Das Kinderhaus ist dem Modell „Netz-für-Kinder“ zugeordnet. Dieses Modell wurde 1993 von der bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen, um zusätzliche Kinderbetreuungsangebote zu schaffen. Drei Grundmerkmale definieren alle „Netz-für-Kinder“-Einrichtungen:

  • eine kleine Gruppengröße von maximal 15 Kindern
  • eine große Altersmischung
  • Elternmitarbeit bei Betreuung und Organisation

Durch die Umsetzung dieser Vorgaben etablierten sich in Bayern eine große Anzahl von „Netz-für-Kinder”-Einrichtungen als weiterer Baustein im System pluraler Kinderbetreuungsangebote. Die Gruppen sind untereinander und mit anderen sozialen Einrichtungen im Landkreis vernetzt. Sie sollen die klassischen Betreuungsangebote nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Das Kinderhaus finanziert sich durch Fördergelder der Regierung von Oberbayern und der Gemeinde Allershausen sowie über die Elternbeiträge.

Träger des Kindergartens ist der Verein Kinderhaus Pusteblume e.V. Er setzt sich aus den derzeitigen Eltern zusammen. Die Mitgliedschaft ist nicht verpflichtend, aber sinnvoll.

Gemäß der Satzung des Vereins findet einmal jährlich eine Mitgliederversammlung statt, bei der ein Vorstand – bestehend aus 1. Vorstand, 2. Vorstand und Finanzvorstand – gewählt wird. Die Vorstände sind die gesetzlichen Vertreter des Kinderhaus Pusteblume e.V.

 

1.3       Räumlichkeiten

Bereits im Sommer 1995 begannen engagierte Eltern mit dem Aufbau der Einrichtung, damals mit Sitz in Tünzhausen. Durch die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde Allershausen konnte das Kinderhaus im September 1996 in das „Spickerhaus“ am Kirchplatz einziehen. Die damaligen Eltern erschufen in dem alten Haus mit sehr viel Engagement eine gemütliche und zweckmäβige Unterkunft. Da die Gemeinde neue Krippenplätze in Allershausen schaffen wollte, wurde der Standort des alten Pusteblumen-Geländes als Bauplatz für eine neue Krippe inklusive neuer Räumlichkeiten für die Pusteblume benötigt. So wurde das alte Haus abgerissen und die Kinder der Pusteblume zogen für ein Jahr in einen Wohncontainer einige Meter weiter in die Kirchstraße um. Dabei wurde auch ein geräumiger Spielgarten angelegt, den die Kinder nach wie vor nutzen können. Ende August 2012 war der Neubau fertig gestellt, so dass der Start in das neue Kindergartenjahr dort erfolgen konnte.

Zusammen mit der Kinderkrippe Fridoline befindet sich unsere Einrichtung im Gebäudekomplex des Kinderhauses am Mühlbach. Hier stehen im Erdgeschoss der Gruppenraum mit Hochebene, eine Puppen- und eine Ruheecke, sowie ein kindgerechter Sanitärraum und die Küche zur Verfügung. Im ersten Stock befinden sich der Atelierraum mit Werkstatt, der Schlafraum und das Personalbüro.Hinter dem Haus befindet sich der Garten, der unter anderem einen großen Sandkasten, einen Wasserlauf, Barfußpfad, zwei Weidenhäuser und ein Trampolin bietet. Auch die Kinder der Kinderkrippe Fridoline nutzen diese Anlage, wobei ein Belegungsplan regelt, wann welche Gruppe den Garten für sich beanspruchen darf. Ebenso wird ein Mehrzweckraum abwechselnd genutzt, z.B. für die wöchentlichen Turnangebote, für Rollenspiele, Feiern sowie für die musikalische Früherziehung

 

1.4       Personal

Die pädagogische Leitung des Kinderhauses und die Gruppenleitung hat Frau Anita Ziegner (Erzieherin). Sie wird unterstützt von den Fachkräften Regine Ludowici (Erzieherin) und Elisabeth Thalhammer (Erzieherin), Sina Berchtold (Kinderpflegerin) als Ergänzungskraft und einer Hilfskraft.

Zurzeit ist der Heilpädagogische Fachdienst im Haus, vertreten durch Carina Hilger-Stockinger.

 

1.5       Organisation

Die Organisation und Verwaltung des Kinderhauses wird von allen Eltern übernommen. Die Elternschaft trifft sich regelmäßig einmal im Monat zu einem Elternabend. Der Elternabend ist wichtigstes Gremium für Entscheidungen und Informationsaustausch. Die Teilnahme ist für alle Eltern verpflichtend. Entscheidungen werden mehrheitlich getroffen, soweit sie nicht den Haftungsbereich des Vorstandes betreffen. Sie werden im Protokoll festgehalten und sind verbindlich. Um die anfallenden Aufgaben gerecht zu verteilen, ordnen sich die Eltern in Arbeitsgruppen. Derzeit gibt es die Gruppen Vorstand, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Planung, Einkauf, Hausdame, Haus und Garten, Feste und Veranstaltungen. Die Elternschaft gibt in Abstimmung mit den Erzieherinnen die pädagogische Konzeption für die Kindererziehung im Kinderhaus Pusteblume vor und stimmt die Umsetzung laufend mit ab. Die Erzieherinnen sind verantwortlich für die Betreuung der Kinder gemäß der pädagogischen Konzeption. Sie berichten den Eltern am Elternabend über den aktuellen Stand der Gruppe. Die Erzieherinnen stehen bei Bedarf zu Elterngesprächen nach Terminvereinbarung zur Verfügung.

Neben der Organisation und Verwaltung ist die Betreuung am Kind (Elterndienst) ein sehr wichtiges Element im Alltagsgeschehen des Kinderhauses. Gemäß des Modells „Netz-für-Kinder“ werden die Kinder jeweils von einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin bzw. einer Person aus der Elternschaft betreut. Die Mitbetreuung in Form des Elterndienstes (in der Regel vier Mal pro Monat) ist für alle Eltern verpflichtend.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Erziehern und Eltern führt zu einem vertieften Verständnis für die Bedürfnisse der Gruppe und jedes einzelnen Kindes. Das eigene Kind kann in einem nicht-familiären Umfeld im Zusammenspiel mit anderen Kindern erlebt werden. Die Eltern haben – in Absprache mit den Erzieherinnen – die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Talente einzubringen, zum Beispiel: Fremdsprachen, musische, künstlerische und sportliche Aktivitäten.

Die Elternmitarbeit wird mit einer Aufwandsentschädigung vergütet.

 

1.6       Öffnungszeiten

Das Kinderhaus ist von Montag bis Freitag von 07.30 bis 15.00 Uhr geöffnet. Die Bringzeit ist von 07.30 bis 08.30 Uhr, die Abholung ist möglich um 12.30 Uhr, um 13.00 Uhr oder von 14.30 bis 15.00 Uhr.

Kernzeit:        08.30 – 12.30Uhr

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben ist das Kinderhaus an maximal 30 Arbeitstagen im Kalenderjahr geschlossen. Die Schließzeiten erfolgen in Absprache mit allen anderen Kinderbetreuungseinrichtungen Allershausens.

Exemplarischer Tagesablauf im Haus

07.30 – 08.30 Uhr Bringzeit

Freiarbeit im Sinne der Montessori-Pädagogik, im Folgenden nur noch Freiarbeit bezeichnet

08.30 – 09.00 Uhr Freiarbeit
ab 09.00 Uhr Morgenkreis (Lieder und Fingerspiele, Bewegungsspiele, Spiele und pädagogische Angebote je nach Themenschwerpunkt oder Projekt)
ab 09.30 Uhr Gemeinsame Brotzeit, in Ausnahmen Brotzeit in Kleingruppen

Freispielzeit, gezielte Angebote, Turnangebote oder geleitete Projektarbeit im Haus oder Garten

11.00 – 12.15 Uhr Freies oder angeleitetes Spiel im Garten
12.15 Uhr Abschlusskreis im Garten
12.30 Uhr

13:00 Uhr

Mittagessen oder Abholung

Abholzeit

13.00 – 14.00 Uhr

ab 14.00 Uhr

Mittagsruhe

Freiarbeit
Gezieltes Angebot

14.30 – 15.00 Uhr Abholzeit bzw. Freiarbeit

 

Exemplarischer Tagesablauf am Naturtag (Dienstag)

07.30 – 08.30 Uhr Bringzeit
Freiarbeit
08.30 – 12.15 Uhr Naturtag (Aufenthalt in Wald und Auenlandschaft rund um Allershausen, Spielplatz hinter Tennisanlage)
12.30 Uhr

13.00 Uhr

Mittagessen oder Abholung

Abholzeit

13.00 – 14.00 Uhr

ab 14.00 Uhr

Mittagsruhe

Freiarbeit
Gezieltes Angebot

14.30 – 15.00 Uhr Abholzeit bzw. Freiarbeit

 

1.7       Aufnahmeverfahren und Buchungskosten

Nach einem Erstkontakt (per Telefon, Mail oder persönlich) mit Informationen über unsere Rahmenbedingungen wird ein Hospitationstermin vereinbart. Bei der Hospitation können Eltern und Kind die Erzieherinnen, die Kinder, die Räumlichkeiten und die pädagogische Arbeit kennenlernen. In einem persönlichen Gespräch zwischen Interessenten, Erziehern und Vorstand besteht die Möglichkeit gegenseitige Erwartungen zu klären.

Die Grundlage für die Aufnahme eines Kindes im Kinderhaus ist der Betreuungsvertrag.

Es gibt drei verschiedene Buchungsmöglichkeiten:

Buchungskosten für 5 Tage pro Woche für Kinder ab 3 Jahre:

07.30 – 12.30 Uhr                              Monatlicher Beitrag:  125,00 €

07.30 – 13.00 Uhr                              Monatlicher Beitrag:  130,00 €

07.30 – 15.00 Uhr                              Monatlicher Beitrag:  150,00 €

Buchungskosten für 5 Tage pro Woche für Kinder unter 3 Jahre:

07.30 – 12.30 Uhr                             Monatlicher Beitrag: 195,00 €

07.30 – 13.00 Uhr                             Monatlicher Beitrag: 205,00 €

07.30 – 15.00 Uhr                             Monatlicher Beitrag: 255,00 €

Preis pro Mittagessen: 2,80 €.

In den Betreuungskosten enthalten ist die Verpflegung mit Lebensmitteln, die weitgehend aus biologischem Anbau stammen. Die Kinder müssen daher keine Brotzeit mitbringen. Sie wird von den Betreuern und dem Elterndienst mit Obst und Gemüse täglich frisch zubereitet. Tee und Wasser stehen stets für die Kinder bereit.

Alle Kinder, für die eine Betreuung bis 15.00 Uhr gebucht wird, erhalten ein Mittagessen (zzgl. 2,80 EUR/Mahlzeit). Die Pusteblume wird von der Schulküche Allershausen mit ausgewogenem, frisch gekochtem Mittagessen versorgt.

2          Unser Leitbild – Prinzipien unseres Handelns für Kinder und ihre Familien

2.1       Unser Selbstverständnis – Kinder und Familien im Mittelpunkt

Unser Kinderhaus ist ein Familienkindergarten in der Natur und im Haus. Im Zentrum stehen das Kind, seine Individualität, sein Wohlergehen und seine Geborgenheit in vertrauter, liebevoller Umgebung. Es ist Teil einer Gemeinschaft und soll bei der Entwicklung von Gemeinschaftsgefühl zielgerichtet unterstützt werden.

Die Achtung und die Würde des Kindes stehen im Mittelpunkt. Ein Kind kann dann seine angelegten Fähigkeiten optimal entfalten, wenn es sich bedingungslos angenommen und geliebt fühlt. Jedes Kind wird in seiner Einzigartigkeit und seiner Eigenart akzeptiert. Wir nehmen die Kinder mit ihren Interessen, Fähigkeiten und Sorgen ernst. Kinder dürfen bei uns „Kind sein” und wir lassen ihnen die Zeit, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Bildung geschieht von Anfang an und wir sind die Begleiter der Kinder von 2 Jahren an bis zum Schuleintritt. Wir sind eine Bildungseinrichtung, wo Spielen und Lernen eine Einheit sind. Unsere Aktivitäten, Angebote und Spiele sind kindgerecht und abgestimmt auf die jeweiligen Kinder in der Gruppe. Wir möchten die Kinder ganzheitlich fördern. Der Leitsatz von Maria Montessori

Hilf mir, es selbst zu tun!”

durchdringt alle Bereiche unseres Alltags. Erzieherinnen und betreuender Elterndienst haben die vorrangige Aufgabe zu unterstützen, zu beobachten und die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern.

Unsere Eltern arbeiten aktiv als betreuender Elterndienst im Kinderhausalltag mit. Kinder, Eltern und Erzieherinnen bilden das Kinderhaus. Die Eltern sind bei uns Träger und Betreuer, somit Arbeitgeber und Mitarbeiter. Erzieherinnen und Eltern sind Partner, mit jeweiligen Rechten und Pflichten.

Unsere Einrichtung lebt vom Engagement (persönlichen Einsatz) der Eltern und Erzieherinnen für das Kinderhaus. Das Wohlbefinden aller Kinder und Eltern liegt uns am Herzen. Wir sind offen für Kinder und Eltern anderer Länder und Kulturen. Das Kleingruppenkonzept des Kinderhauses bildet die Grundlage, dass sich Kinder und Eltern trotz verschiedener Sprachen integrieren und gemeinsam ein neues zu Hause finden können. Gleiches gilt für Kinder mit Besonderheiten (z.B. Hochbegabung oder Entwicklungsverzögerung).

 

2.2        Unser pädagogischer Ansatz

Unser pädagogischer Ansatz beruht auf der Montessori-Pädagogik und der Naturpädagogik. Wir versuchen beide Ansätze in unserem Kinderhaus zu kombinieren und umzusetzen.

Montessori-Pädagogik

Das Leitmotiv der Montessori-Pädagogik „Hilf mir, es selbst zu tun!”1 von Maria Montessori durchdringt die gesamte pädagogische Arbeit. Um diesen Satz noch besser verstehen zu können, sind die Folgesätze des Zitats sehr wichtig:

 „Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir auch Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.”1

Diese Aussage von Montessori verdeutlicht die grundsätzliche Erziehung zur Selbstständigkeit und zur eigenen, individuellen Persönlichkeit. Dabei gehören Fehler, die das Kind macht, zur Entwicklung dazu.

Die wesentlichen Grundlagen der Montessori-Pädagogik bestehen aus:

  • Erziehung beruht auf der Kenntnis des Menschen.
  • Der Mensch entwickelt sich nach einem inneren Bauplan.
  • Das Kind besitzt einen absorbierenden Geist.
  • Das Kind durchlebt sensible Perioden.
  • Das Kind als Baumeister des Menschen.

Hier die wichtigsten Grundprinzipien der Montessori-Pädagogik:

Achtung vor dem Kind

Die Achtung vor der Würde und Persönlichkeit des Kindes durchdringt die pädagogische Haltung der Erzieher. Ein Kind kann dann seine angelegten Fähigkeiten optimal entfalten, wenn es sich bedingungslos angenommen und geliebt fühlt.

Sinnesschulung und Bewegung

Montessori hat erkannt, wie wichtig es für Kinder ist, die Umwelt mit allen Sinnen zu entdecken und wahrzunehmen. Die Erziehung und Schulung der Sinne ist eine wichtige Grundlage der Pädagogik. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder über ihre Sinne lernen.

Muskelgedächtnis

Die Erziehung nach Montessori ist eine Einheit aus Kopf, Herz und Hand. D.h. aus Denken, Fühlen und Handeln (Heute bezeichnen wir das als Ganzheitlichkeit).


Polarisation der Aufmerksamkeit

Montessori stellte durch Beobachtungen fest, dass auch kleine Kinder zu tiefer und absoluter Konzentration fähig sind. Dieser Zustand wird als „Polarisation der Aufmerksamkeit” definiert.

Freie Wahl

Die Möglichkeit der freien Entscheidung ist ein zentrales Thema der Montessori-Pädagogik. Wesentlich ist die freie Entscheidung eines Kindes zu einer Tätigkeit, weil sich jedes Kind ganz individuell entwickelt. Am Erzieher liegt es, das Gelingen der freien Wahl indirekt vorzubereiten.

Vorbereitete Umgebung

Für Montessori war es wichtig, ihr Kinderhaus kindgerecht zu gestalten. So ist es auch heute noch so, dass die Kinder alle vorhandenen Materialien in flachen Regalen in ihrer Höhe erreichen können. Die vorbereitete Umgebung ist nicht starr, sondern immer den Bedürfnissen der Kinder angepasst.

Materialarbeit

Das Material scheint oft der Kernpunkt der Montessori-Pädagogik zu sein. Das Material bildet einen Teil der vorbereiteten Umgebung. Montessori hat bei der Entwicklung der Materialien versucht, eine bestimmte Eigenschaft zu isolieren. Dabei werden verschiedene Materialbereiche unterschieden:

  • Material zu den Übungen des praktischen Lebens
  • Sinnesmaterial
  • Mathematikmaterial
  • Sprachmaterial
  • Material der kosmischen Erziehung

Alle Materialien enthalten in sich eine Fehlerkontrolle.

     

Rolle der Erzieher

In der Montessori-Pädagogik liegt der Schwerpunkt des Lernens und das damit verbundene Aktivwerden beim Kind. Der Erzieher bereitet die Umgebung gründlich vor und ist selbst gut vertraut mit der Thematik. Er versucht sein Angebot so zu gestalten, dass die Kinder sich durch eigenes Denken und Handeln das Wissen oder die Fertigkeiten erarbeiten können. Bei Bedarf greift der Erzieher in das Geschehen ein und gibt Hilfestellungen und Anregungen.

Im Haus liegt der Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit in der Freiarbeit mit viel Spielraum für situatives Arbeiten. Zusätzliche Projekte und Angebote unterstützen die Förderung der Basiskompetenzen der Kinder.

Naturpädagogik

Als das Kinderhaus 1995 gegründet wurde, lag ein Schwerpunkt der Erziehung in der Naturpädagogik. Die Naturtage haben so eine sehr lange Tradition und sind von den Kindern und Eltern sehr geschätzt. Dieser Schwerpunkt der Erziehungsarbeit hat sich sehr gut bewährt und ist die ganzen Jahre beibehalten worden. Mit der Naturpädagogik möchten die Erzieherinnen und Eltern dem heutigen Trend, dass Kinder vorrangig in geschlossenen Räumen spielen, entgegenwirken. Naturpädagogik bildet zu der Materialarbeit nach Maria Montessori Ausgleich und Ergänzung. Pro Woche finden 1 bis 2 Naturtage in der umliegenden Au-Landschaft und in den Wäldern statt. Ein biologisches einheitliches Frühstück für alle Kinder hat auch schon sehr lange Tradition (seit Beginn 1995). Die gesunde Ernährung und Lebensweise sind Anliegen unserer Einrichtung und bilden somit grundlegende pädagogische Richtlinien für die Familien. Eine gesunde ganzheitliche Lebensweise mit viel Bewegung an frischer Luft prägen das Besondere an unserer Einrichtung.

Jährlich finden im Frühjahr unsere Waldwochen im Tünzhausener Wald statt. Für 3 Wochen ist der Wald ganztags unser zu Hause. Der Alltag im Wald bietet den Kindern ein unvergessliches Erlebnis der Natur und des freien Spiels. Besonders in den motorischen, sozialen und naturwissenschaftlichen Bereichen profitieren die Kinder in dieser Zeit.

 

Ausgehend von verschiedenen Ansätzen der Natur- und Waldpädagogik haben wir uns besonders folgende Schwerpunkte herausgesucht2:

  • Der jahreszeitliche Naturkreislauf wird unmittelbar erlebt.
  • Die Stille wird erlebbar.
  • Die Natur bietet eine Vielfalt von Bewegungsanlässen.
  • Die Förderung im psychomotorischen Bereich findet unter idealen Bedingungen statt.
  • Die Fantasie der Kinder kann sich entfalten.
  • Das Erleben der Elemente (Feuer, Wasser, Luft und Erde) gehört zu den existentiellen Lebensgrundlagen.
  • Alle Sinne (Fühlen, Hören, Riechen, Sehen und Schmecken) der Kinder werden angesprochen.
  • Die Bewegung in frischer Luft bei jeder Witterung fördert die Gesundheit und stärkt das Immunsystem.
  • Die soziale Kompetenz der Gruppe und des Einzelnen wird gestärkt.

2.3  Unser lokales Netzwerk

Unser Netzwerk mit anderen Stellen

Unsere Einrichtung arbeitet fachlich zusammen und ist vernetzt mit folgenden Einrichtungen:

  • Grundschule Allershausen
  • Kinderkrippe Fridoline in Allershausen
  • Hort der Johanniter
  • Gemeindekindergarten Allershausen
  • Katholischer Kindergarten Allershausen Sankt Josef
  • „Netz für Kinder” Einrichtungen (Kinder(t)räume Weihenstephan, Brummkreisel e.V., Rappelkiste Hallbergmoos)
  • „ Netz für Kinder“ Einrichtungen in Bayern
  • Montessorischule Pfaffenhofen
  • Frühförderstelle des Landkreises
  • Lernpraxis Au Zweigstelle Allershausen
  • Verschiedene Therapeuten (z.B. Logopäden, Ergotherapeuten…)
  • Supervisorin Heidi Schels

Weiterhin ist unsere Einrichtung Ausbildungsstätte für Kinderpflegeschüler der Kinderpflegeschule Freising und für Schüler des sozialen Zweiges der Fachoberschule Freising (FOS).

Unsere Einrichtung wird von der Zahnärztin Frau Dr. Barth-Öttl im Auftrag der BVZG zahnärztlich betreut.

Zusammenarbeit im Ort Allershausen

Alle Kindereinrichtungen des Ortes Allershausen sind im Arbeitskreis Kindergarten und Hort der Gemeinde Allershausen zusammengeschlossen. Der Arbeitskreis organisiert gemeinsame Veranstaltungen (z.B. Infoveranstaltung aller Einrichtungen, St. Martinsumzug, Spielplatzfeste, Flohmarkt rund ums Kind) und koordiniert einheitliche Regelungen (z.B. einheitliche Schließzeiten der Einrichtungen).

Das Kinderhaus beteiligt sich am jährlichen Christkindlmarkt und an der Säuberungsaktion Ramadama.

Gemeinde Allershausen

Die Gemeinde Allershausen unterstützt unsere Einrichtung durch Fördermittel. Weiterhin ist die Gemeinde Eigentümer des Grundstücks und Hauses unserer Einrichtung. Wir nutzen den „Spiegelsaal“ der Mehrzweckhalle und die Sportanlagen für unsere Turntage und je nach Bedarf den Gemeindebus für die Naturtage oder Ausflüge. Ein Waldstück in Tünzhausen steht uns für die Naturtage und Waldwochen zur Verfügung.

Öffentlichkeitsarbeit

Jährlich stellt sich unsere Einrichtung bei der gemeinsamen Infoveranstaltung aller Kindereinrichtungen des Ortes Allershausen vor. Wir bieten einen Tag der offenen Tür an und ermöglichen nach Terminabsprache gerne eine Hospitation in der Einrichtung.

Die Presse- und Informationsarbeit wird von der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der Kinderhauseltern organisiert und durchgeführt.

Ausflüge mit Kindern

Je nach Jahresthemen und Projekten besuchen wir Einrichtungen oder Institutionen.

Einmal im Jahr findet ein Jahresausflug mit allen Kinderhauskindern und dem gesamten Team statt.

Die Vorschulkinder können zum Vorschulausflug neue und interessante Bereiche entdecken. Je nach Interesse der Kinder wird das Ziel des Vorschulausflugs bestimmt.

Jährlich findet ein Wochenendausflug für alle Kinderhausfamilien und für das Team statt.

Zu Beginn eines jeden Jahres besuchen wir die uns betreuende Zahnarztpraxis Barth-Öttl in Allershausen. Unser Projekt rund ums Thema Zähne macht uns neugierig auf einen Besuch der Zahnärztin und ihrer Zahnarztpraxis.

Am Naturtag erkunden wir die nähere Umgebung des Kinderhauses. Dabei führt uns der Weg z.B. vorbei an der kath. Kirche, über den Friedhof, entlang der Amper, bis zum Sportgelände mit der Mehrzweckhalle und dem Spielplatz. Hier findet zum Teil auch der wöchentliche Turntag statt.

 

2.4       Bildungsqualität und Innovation – Unsere Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung

Kleingruppe von 15 Kindern

Das „Netz für Kinder” Projekt schreibt eine Kleingruppe von 12-15 Kindern vor. Diese kleine und überschaubare Gruppengröße ermöglicht eine individuelle und intensive Arbeit mit den Kindern.

Aktive Elternmitarbeit

Einmal pro Jahr wird in unserer Einrichtung eine Elternbefragung durchgeführt und ausgewertet. Dabei helfen uns Kritik und eingebrachte Ideen die Arbeit zu verbessern. An jedem Elternabend (einmal pro Monat) und auch zwischendurch haben die Eltern die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung unseres Kinderhausalltags teilzunehmen. Da die Eltern selbst den Gruppenalltag erleben, können sie vor Ort die Probleme und die Erziehungsarbeit einschätzen und konkrete Hinweise geben.

Teamarbeit

Zum Kinderhausjahrbeginn finden zwei Teamtage statt. Hier wird das neue Jahr vorbereitet und geplant.

Das Team trifft sich wöchentlich, um die Arbeit zu planen, zu organisieren und zu besprechen. Dabei wird reflektiert und Möglichkeiten der Veränderung und Neugestaltung überlegt. Im Team werden die Entwicklungen und Beobachtungen der einzelnen Kinder besprochen und dokumentiert.

Einmal im Halbjahr bietet das Team einen pädagogischen Elternabend zu bestimmten Fachthemen an.

Weiterbildung

Die Erzieherinnen und die Kinderpflegerin haben die Möglichkeit und Verpflichtung, an Fort- und Weiterbildungen teilzunehmen, um sich die modernen und zeitgemäßen Veränderungen der Erziehungs- und Bildungsarbeit anzueignen und diese später in der Einrichtung umzusetzen.

Das Team nutzt diese Möglichkeit rege.

Supervision

Für die Erzieherinnen und die Kinderpflegerin findet sechs Mal im Jahr eine Supervision statt, um Probleme zu lösen und zu verarbeiten und um sich mit den pädagogischen Fachkräften anderer Netz für Kinder Einrichtungen auszutauschen. Diese Möglichkeit wird regelmäßig wahrgenommen, Erkenntnisse werden in der pädagogischen Arbeit umgesetzt.

 

 

3          Übergänge des Kindes im Bildungsverlauf – Vernetzung seiner Bildungsorte

3.1       Übergang in das Kinderhaus

Wichtig ist für uns der erfolgreiche Übergang von der Kinderkrippe, der Tagesmutter oder vom Elternhaus in das Kinderhaus. Mit der Kinderkrippe Fridoline in Allershausen besteht eine sehr gute Kooperation. Wir versuchen die Eltern tatkräftig bei dem Übergang des Kindes in unsere Einrichtung zu unterstützen. Jeder Interessent kann zur Hospitation unsere Einrichtung besuchen und unseren Alltag miterleben. Für die zukünftigen neuen Eltern findet im Juli vor Kinderhausbeginn ein Elternabend statt, bei dem die Arbeit und der Übergang der Kinder in die Einrichtung besprochen werden. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eigene Wünsche bezüglich der Eingewöhnung vorzubringen. Die Eingewöhnungszeit der Kinder wird flexibel gestaltet, je nach Bedarf und Eigenart des Kindes. Möglich ist ein stundenweiser Besuch mit oder ohne Eltern, der sich allmählich verlängert, bis die volle Kernzeit am Vormittag erreicht ist. Jedes neue Kind wird von einem älteren Kinderhauskind betreut (Patenschaft). Diese Mitwirkung der Kinder bei der Eingewöhnung hat sich in den letzten Jahren sehr gut bewährt. Die Integration neuer Kinder erfolgt zeitlich gestaffelt, um ihnen größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken und den Schritt in das Kinderhaus liebevoll zu begleiten. Vor Beginn des neuen Kinderhausjahres treffen sich „alte” und „neue“ Kinder und Eltern beispielsweise zu einem Brunch im Kinderhaus in ungezwungener Atmosphäre. Dabei ist es uns wichtig einander kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen.

3.2       Übergang in die Grundschule und den Hort

Im Herbst vor dem Schuleintritt beginnt in unserer Einrichtung die Vorschule. In einer Kleingruppe bereiten sich die Vorschüler einmal pro Woche in einer Stunde gezielt auf den Schuleintritt vor. Dabei ist ein ganzheitlicher Förderungsansatz mit dem Montessori-Leitgedanken „Hilf mir, es selbst zu tun!” die Grundlage der Vorschule. Besondere Schwerpunkte bilden das Montessori-Material für Sprache und Mathematik sowie die kosmische Erziehung. Auf spielerische Art und Weise werden die Kinder an Buchstaben und Zahlen herangeführt.

Unsere Vorschulkinder gestalten ihre eigene Schultüte im Kinderhaus nach eigenen Vorstellungen. Eine Abschlussfahrt und die Übernachtung im Kinderhaus bilden einen gelungenen Abschluss der Kinderhauszeit. Zum Martinsfest und zum Sommerabschlussfest gestalten die Vorschulkinder ein Programm.

Die Zusammenarbeit mit der Grundschule Allershausen hat ein verbindliches Konzept:

  • Die Kooperationsbeauftragte der Schule hält regen Kontakt mit der Einrichtung.
  • Gemeinsame BIF-Kurse (Besonders intensive Förderung) der Grundschule Allershausen und der Kindereinrichtungen in Allershausen.
  • Vorkurs Deutsch – Konzept mit der Grundschule Allershausen.
  • Vorschulkinderelternabend aller Kindergarteneinrichtungen in Allershausen mit der Kooperationsbeauftragten der Grundschule für alle Vorschuleltern.
  • Die Vorschulkinder besuchen die Grundschule, nehmen an einer Unterrichtsstunde der Erstklässler teil und haben Gelegenheit das Schulgebäude und den Pausenhof kennenzulernen.
  • Bei Einverständnis der Eltern übergibt die Erzieherin im Kontaktgespräch mit den zukünftigen Erstklassenlehrern spezielle Informationen über das zukünftige Schulkind, um den Übergang des Vorschulkindes in die Schule zu erleichtern.
  • Einige Kinder besuchen die Mittagsbetreuung der Grundschule Allershausen

Da einige unserer Vorschulkinder später nach der Schule auch den Hort besuchen, besteht eine gute Zusammenarbeit mit dem Johanniterhort in Allershausen. Der Kontakt aller Allershausener Kindereinrichtungen ist durch den Arbeitskreis Kindergarten Hort der Gemeinde sehr gut.

Außerdem besteht eine Kooperation zur Pfaffenhofener Montessorieschule.

 

4 Bildung und Erziehung – Unser Angebot für die Kinder

4.1 Grundprinzipien der Bildungs- und Erziehungsarbeit

4.1.1 Mitwirkung der Kinder (Partizipation)

Unter Partizipation verstehen wir die Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung der Kinder. Wichtig ist uns das Erlernen sozialer Kompetenzen in einer Gemeinschaft, die Fähigkeit und Bereitschaft zu demokratischem Verhalten und die Fähigkeit und Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen.

Die Umsetzung dieser Ziele erfolgt im Alltag unserer Einrichtung, ob in Alltagsgesprächen, im Morgenkreis, in der Besprechung von Regeln, in der Mitplanung, der Mitsprache bei Entscheidungsprozessen o. A. Kinder übernehmen kleine Aufgaben eigenständig (z.B. Tischdecken, Geschirr Abwaschen, Beete-im-Garten-Pflegen).

Ältere Kinder übernehmen eine Patenschaft für ein neues Kind der Einrichtung. Verantwortungsvoll kümmern sie sich um die kleineren und hilfebedürftigen Kinder. Regeln in Haus und Garten werden in Zusammenarbeit mit den Kindern erstellt und besprochen. Die Kinder kontrollieren das Einhalten der Regeln selbst, nur bei für die Kinder unlösbaren Problemen greifen die Erzieherinnen ein. Auch da wird eine demokratische Lösung angestrebt.

Wir fördern aktiv die freie Meinungsäußerung, das Fragen stellen, das Zuhören lernen, das Akzeptieren unterschiedlicher Meinungen und wir üben die Gesprächsregeln in der Gruppe ein.

 

4.1.2    Individuelle Unterschiede der Kinder als Bereicherung – Integration/Inklusion

Unsere Einrichtung besuchen Kinder im Alter von 2 Jahren bis zum Schuleintritt. Diese große Altersspanne fördert das Lernen der Kinder untereinander. Große Kinder lernen sich verantwortungsvoll um kleinere Kinder zu kümmern, ihnen Dinge zu erklären und damit eigenes Wissen zu festigen. Kleinere Kinder lernen durch nachahmen und zuschauen von den Großen. Die bei uns existierenden Patenschaften nutzen diesen Aspekt.

Unsere Gruppe ist generell geschlechtsgemischt, je nach angemeldeten Kindern. Während die Natur vorgibt, welches biologische Geschlecht einem Menschen zugeordnet werden kann, entwickelt das Kind seine eigene soziale Geschlechtsidentität. Für die Entwicklung der Geschlechtsidentität sind die Jahre in der Kindereinrichtung von besonderer Bedeutung. Kinder setzen sich intensiv mit der Mädchenrolle oder Jungenrolle auseinander. Erfahrungen für Interaktion und Kommunikationen sind in gemischtgeschlechtlichen Gruppen wichtig.

Die Kinder unserer Einrichtung kommen größtenteils aus Allershausen und den eingegliederten kleinen Ortschaften.

Das Kinderhaus bietet auch Familien aus anderen Ländern die Möglichkeit sich in unserem Land zu integrieren. In der Einrichtung waren/sind bisher auch Familien aus Belgien, Frankreich, Italien, Türkei, Ukraine, Polen, Litauen und der USA. Für uns bedeutet das eine Bereicherung des Alltags und eine große Verantwortung gegenüber dem Kind und den Eltern mit einer anderen Muttersprache und einer anderen Kultur. Es besteht dadurch eine grundlegende Kompetenz für das konstruktive und friedliche Miteinander von Kindern und Eltern mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Traditionen, worauf wir in unserer Einrichtung gern mit Projekten eingehen und die Zusammenarbeit mit den Familien verstärken. Für viele Migrantenkinder ist die Mehrsprachigkeit und Multikulturalität zudem eine selbstverständliche Lebensform, sie gehört zur Entwicklung der Identität.

Die Kinder des Kinderhauses sind je nach Alter, Geschlecht, kultureller Herkunft und individuellen Anlagen verschieden. Diese Vielfalt an Fähigkeiten, Begabungen und Interessen fördert das Gemeinwesen der Gruppe und die Kinder. Aufgrund des Kleingruppenkonzeptes ziehen sowohl Kinder mit Besonderheiten (z.B. Hochbegabung, Entwicklungsverzögerung, notwendige spezielle heilpädagogische Förderung) als auch unbelastete Kinder und ihre Eltern Gewinn aus der gemeinsamen Erziehung. Sie machen die entlastende Erfahrung, dass Schwächen und Behinderungen ein Teil von „Normalität” sind und nicht zu sozialem Ausschluss führen. Außerdem erlernen sie einen unbefangenen Umgang mit Problemen.

4.1.3    Anregende Lernumgebung und Exkursionen

Das Kinderhaus befindet sich im Kinderhaus am Mühlbach. Hier stehen den Kindern im Erdgeschoss der Gruppenraum mit Hochebene, eine Puppen- und Ruheecke sowie ein kindgerechter Sanitärraum und die Küche zur Verfügung. Im ersten Stock befinden sich der Atelierraum mit Werkstatt, der Schlafraum und das Personalbüro.

Hinter dem Haus befindet sich der Garten, der unter anderem einen großen Sandkasten, einen Wasserlauf, ein Barfußpfad, zwei Weidenhäuser, ein Hochbeet und ein Trampolin bietet. Ebenso nutzen die Kinder den Mehrzweckraum, z.B. für die wöchentlichen Turnangebote oder Rollenspiele.

Im Gruppenraum finden die Kinder eine vorbereitete Umgebung vor. In Regalen befinden sich die verschiedenen Montessori-Materialien, geordnet nach verschiedenen Bereichen in Reichweite der Kinder.

Montessori-Materialien:

  • Material zu den Übungen des praktischen Lebens
  • Sinnesmaterial
  • Mathematikmaterial
  • Sprachmaterial
  • Material der kosmischen Erziehung

Alle wichtigen Montessori-Materialien sind in der Einrichtung vorhanden.

Neben den Montessori-Materialien gibt es wie in jedem anderen Kindergarten eine Puppenecke, eine Bauecke, einen Bastel- und Maltisch, Spiele und Bücher, die zur Beschäftigung einladen. Alle Materialien sind immer frei zugänglich und können im Rahmen der Freiarbeit benutzt werden. Im Atelierraum befinden sich eine Werkstatt mit zwei Werkbänken, ein Malbereich mit Malwand und eine Tischgruppe sowie ein Spielteppich zur Arbeit in Kleingruppen.

Der Garten wird täglich genutzt, eine kleine Terrasse bietet bei schönem Wetter die Möglichkeit, draußen zu arbeiten oder zu frühstücken.

Naturtage

An unseren Naturtagen sind wir in der näheren Umgebung des Kinderhauses, der Au-Landschaft entlang der Amper oder im Wald. Wir verbringen den ganzen Vormittag im Freien und genießen unsere gemeinsame Brotzeit. In der Gruppe erkunden wir unsere nächste Umgebung. Dabei genießen die Kinder die Freiheit in der Natur und die möglichen selbstgewählten Spiele und Beschäftigungen. Im Gegensatz zum Kinderhausalltag im Haus bietet die Natur keine vorgefertigten Spiele oder Materialien. Die Kinder schaffen sich ihren eigenen Spielraum und entdecken das völlig freie Spiel. Bei jedem Wetter sind wir unterwegs. Wir beobachten Naturvorgänge und nehmen die sich verändernde Natur der verschiedenen Jahreszeiten wahr. Vor allem in der freien Natur können Kinder ihren Bewegungsdrang ungehindert ausleben und vielfältige Möglichkeiten wie Wiese, Waldboden, Anhöhen, natürliche Hindernisse, Naturmaterialien, Schnee, Wasser etc. zum Sammeln von Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrungen finden.

 

Turntage

An den freitags stattfindenden Sporttagen nutzen wir den Mehrzweckraum im Kinderhaus Pusteblume, die nahegelegene Turnhalle sowie den Sportplatz, wenn das Wetter es zulässt. Die Kinder können die einzelnen Sportmaterialien in ihrer Beschaffenheit erkunden sowie die Umgangsweise mit den einzelnen kleineren und größeren Geräten.

 

 

4.1.4 Ganzheitliche Bildung – Lernen in Projekten und Alltagssituationen im Mittelpunkt

Die Erziehung nach Montessori ist eine Einheit aus Kopf, Herz und Hand. Dies bedeutet aus Denken, Fühlen und Handeln und wird heute als Ganzheitlichkeit bezeichnet. Die Montessori-Materialien bieten alle eine Kombination von Kopf, Herz und Hand. In der Freiarbeit bildet das Material einen Hauptteil der möglichen Beschäftigungen der Kinder.

Bei Projekten versuchen wir die Themen mit den Kindern ganzheitlich zu erarbeiten. Möglichst alle Bereiche (kognitiver, sozialer, motorischer, emotionaler, sprachlicher, kreativer) der Förderung sollen angesprochen werden, um den Kindern einen eigenständigen und allumfassenden Zugang zum Thema zu ermöglichen. Daraus ergibt sich dann eine hohe Kreativität in der Projektarbeit.

 

4.1.5    Angebotsvielfalt – Planung und Dokumentation der Bildungsarbeit in der Einrichtung

In unserer Einrichtung bildet das begleitete selbstständige Spielen und Arbeiten mit den zur Verfügung stehenden Materialien den Schwerpunkt des Kinderhausalltags. Die begleitete Freiarbeit ist das Kernstück der Montessori-Arbeit. Kinder lernen in jeder Alltagssituation.

Der Morgenkreis im Haus wird je nach Jahreszeit oder Thema gestaltet. Dazu gehören Lieder, Fingerspiele, Bewegungsspiele, Gemeinschaftsspiele, Geschichten, Gespräche u.a. Gezielte Angebote richten sich nach Jahresthemen, Projekten oder jahreszeitlich bedingten Festen. Dabei versuchen wir ganzheitlich die Kinder in der Projektarbeit oder bei anderen Angeboten zu erreichen. Ein bewährter pädagogischer Ansatz für Gruppen mit Altersmischung ist die Projektarbeit. Kinder unterschiedlichen Alters bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen ein. Dies führt zur kooperativen Auseinandersetzung mit den Aufgabenstellungen und zu gegenseitigem Profitieren.

Neben den Festen im Jahreskreis gehören Projekte immer zu unserem Jahresplan. Der grobe Jahresplan wird durch Monatspläne konkretisiert und von jeder Erzieherin in einem Wochenplan bzw. Tagesplan genau vorbereitet.

Die Elternschaft wird am monatlichen Elternabend informiert und die Monatspläne hängen öffentlich in der Einrichtung aus und werden den Eltern per Mail zugesendet.

 

4.1.6    Beobachtung und Dokumentation der individuellen Lernprozesse der Kinder

Jedes Kind in der Einrichtung besitzt eine Kiste, in der Zeichnungen, Basteleien u.a. gesammelt werden. Diese Arbeiten werden regelmäßig aussortiert in eine Mappe, die am Ende der Kinderhauszeit von den Eltern in eine gebundene Form gebracht wird. Diese Sammelmappen zeigen deutlich die Entwicklung der Kinder im Laufe der Kinderhauszeit und dienen auch der Beobachtung von Lern- und Entwicklungsprozessen der Kinder durch die Erzieherinnen.

In der Einrichtung werden verschiedene Beobachtungsbögen angewendet. Es gibt einen allgemeinen Beobachtungsbogen, in dem alle wichtigen Bereiche der Entwicklung beobachtet werden. Hinzu kommen die Bögen SELDAK (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern), seit 1.9.2008 verbindlich durch die AVBayKiBig, und PERIK (positive Entwicklung und Resilienz im Kindergartenalltag). Nach Bedarf wird der Beobachtungsbogen SISMIK (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen) benutzt. Für alle Vorschulkinder ist die SELDAK-Kurzversion für den Vorkurs Deutsch 240 verbindlich anzuwenden. Für die neuen Kinder gibt es einen Beobachtungsbogen für die Eingewöhnungszeit. Neben der strukturierten Beobachtung mittels Bögen findet auch die freie Beobachtung immer wieder Anwendung. Die Nutzung der jeweiligen Ergebnisse wird für die Planung der pädagogischen Maßnahmen für das jeweilige Kind herangezogen. Beide Beobachtungsformen und die Ergebnisse kindlicher Arbeit (Zeichnungen, Buchstaben, Zahlen, Formen u.a.) bilden die Grundlage für Entwicklungsstandeinschätzung und Vorbereitung für Elterngespräche. Die Erzieherinnen dokumentieren die Entwicklungsschritte in einer Mappe, die für jedes Kind der Einrichtung angelegt wird. Diese Daten in der Beobachtungsmappe unterliegen dem Datenschutz und sind deshalb unter Verschluss.

Pro Jahr findet mindestens ein Elterngespräch statt. Je nach Bedarf sind jederzeit Elterngespräche möglich. Eltern können jederzeit Kontakt zu den Erzieherinnen aufnehmen, um Probleme anzusprechen oder Fragen zu stellen. Ebenso können die Erzieherinnen immer Eltern ansprechen oder um ein Elterngespräch bitten. Ziele und Ergebnisse von Entwicklungen und Maßnahmen sowie Elterngesprächen sind zu dokumentieren. Eventuell sind Fachdienste (z.B. Frühförderung) zu informieren und Hilfe anzufordern bei Einverständnis der Eltern.

Die Einrichtung ist verpflichtet im Falle von Kindeswohlgefährdung entsprechende Maßnahmen einzuleiten und weiter zu melden.

 

4.2       Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsziele

Stärkung der Basiskompetenzen des Kindes

„Als Basiskompetenzen werden grundlegende Fertigkeiten und Persönlichkeitscharakteristika bezeichnet, die das Kind befähigen, mit anderen Kindern und Erwachsenen zu interagieren und sich mit den Gegebenheiten in seiner dinglichen Umwelt auseinanderzusetzen.”4 (S. 55)

Als Basiskompetenzen werden bezeichnet:

  • Selbstwahrnehmung
  • Motivationale Kompetenzen (Neugier und individuelle Interessen, Selbstregulation, Selbstwirksamkeit, Autonomieerleben, Kompetenzerleben)
  • Kognitive Kompetenzen
  • Physische Kompetenzen (grob- und feinmotorische Kompetenzen, Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit, Turnen)
  • Soziale Kompetenzen
  • Entwicklung von Werten und Orientierungskompetenz
  • Fähigkeit und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme
  • Fähigkeit und Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe
  • Lernmethodische Kompetenz – Lernen, wie man lernt
  • Widerstandsfähigkeit (Resilienz)

Die nachstehenden Ausführungen zeigen beispielhaft auf, wie wir im Kinderhaus die in der AVBayKiBiG und im BayBEP enthaltenen Bildungs- und Erziehungsziele bzw. -bereiche aufgreifen und umsetzen. Obgleich die Bildungsarbeit im Kinderhaus überwiegend ganzheitlich und damit bereichsübergreifend geschieht, ist eine bereichsspezifische Betrachtung des Bildungsgeschehens zugleich wichtig und notwendig. Alle Bildungsprozesse werden so gestaltet, dass jedes Kind seine Kompetenzen und besonderen Stärken einbringen und diese weiterentwickeln und zugleich neue Kompetenzen erwerben kann. Die Elternmitarbeit ist bei uns selbstverständlich, da die Eltern durch ihren Elterndienst die tägliche pädagogische Arbeit mitgestalten.

4.2.1 Werteorientiert und verantwortungsvoll handelnde Kinder

Werteorientierung und Religiosität

Die ethische und religiöse Bildung und Erziehung ist gleichwertig zu den anderen Bildungsbereichen. In der Umsetzung ist sie stark von der Einrichtung abhängig. Unsere Einrichtung hat einen freien Träger, die Elternschaft. Deshalb ist die Einrichtung an keine feste Religion gebunden. Die Kinder, die das Kinderhaus besuchen, sind von ihrer religiösen Herkunft verschieden. Die Eltern und auch die Erzieherinnen haben voneinander abweichende Vorstellungen über die Inhalte von religiöser Bildung und Erziehung (kirchlich gebunden oder keiner Kirche verbunden). Deshalb versuchen wir im Kinderhaus eine werteneutrale Vermittlung zentraler Gedanken unterschiedlicher Religionen auszuüben. Die Kinder sollen die zentralen Elemente der christlich-abendländischen Kultur kennenlernen, in der wir leben. Wichtig ist uns, den Kindern ein Grundverständnis über den Stellenwert und die Bedeutung von Religion, Religiosität und Glaube für sich selbst und andere Menschen zu vermitteln.

Im Kinderhaus ist eine Bücherecke eingerichtet. Die Kinder haben die Möglichkeit, Bücher aus dem Bücherständer mitzunehmen. Es gibt viele Bilderbücher, die Themen der Religion und Wertebildung aufgreifen und kindgerecht vermitteln. In Angeboten und im Morgenkreis werden Themen aufgegriffen, dargestellt und diskutiert. Die traditionellen kirchlichen Feste gehören zu unserem Kinderhausalltag dazu. Erntedankfest, Martinsfest, Weihnachten, Fasching und Ostern werden in unserer Einrichtung jährlich mit den Kindern inhaltlich erarbeitet und in Projekten erlebbar gemacht.

Beim Naturtag führt unser Weg fast immer über den Friedhof. Die Kinder lernen so den Friedhof kennen, wissen was sich dort befindet und akzeptieren die Ruhe der Verstorbenen. Der Tod gehört zum Leben dazu. Am Naturtag treffen wir ab und zu auf tote Tiere. Gespräche über den Tod sind für Kinder normal und interessant.

Unser Spruch vor dem Essen erinnert uns an die Herkunft unseres Essens und lässt uns Danke sagen. Ein bewusster Umgang mit Nahrungsmitteln ist uns wichtig.

Immer wieder beschäftigen wir uns mit Märchen. Dabei werden Werte und Verhalten der Kinder geprägt durch die Märchenfiguren. Im Märchen erleben wir immer den Sieg der positiven, guten Personen und der aufbauenden Kräfte.

Mandalas bieten eine gute Möglichkeit, zur Ruhe und zum Entspannen zu kommen. Kleine Meditationen gehören zu unserem Alltag dazu.

Natur- und Umweltbewusstsein haben bei uns einen Schwerpunkt. Durch unsere wöchentlichen Naturtage vermitteln wir den Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Die Kinder lernen sich in der Natur angemessen zu verhalten und die Natur, den Lebensraum von Mensch und Tier, zu schützen.

In der Regel ist die werteorientierte und religiöse Bildung immer vernetzt mit den anderen Bildungsbereichen.

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

Ein Kernbereich der Elementarpädagogik ist die emotionale und soziale Bildung und Erziehung. Unsere Einrichtung bietet die Möglichkeit für Kinder soziale Beziehungen aufbauen zu lernen, Freundschaften zu schließen und zu pflegen sowie ein konstruktives Konfliktverhalten einzuüben. Im pädagogischen Alltag gehören Konflikte und deren Lösung zur Normalität. Das Kinderhaus ist nicht nur ein Ort des friedlichen Spielens und Lernens. Es ist auch ein Ort der Auseinandersetzung, wo Kinder lernen mit Konflikten und starken Gefühlen umzugehen und Konflikte zu lösen. Wir versuchen den Kindern konstruktive Konfliktlösungsstrategien zu zeigen und einzuüben.

Wir Erzieherinnen versuchen in der Eingewöhnungszeit den neuen Kindern verstärkt Zuwendung, Einfühlsamkeit, Verlässlichkeit und emotionale Wärme zukommen zu lassen, um eine starke tragfähige Bindung zum Kind aufzubauen. Dabei ist es wichtig die Autonomie des Kindes und dessen Eigenarten und Gefühle zu respektieren.

Wichtig für Kinder sind neben den positiven Beziehungen zu den Bezugspersonen (Eltern und Erzieherinnen) auch die Beziehungen zu anderen Kindern. Der erste Schritt dazu ist die Gruppenzugehörigkeit und das Finden des eigenen Platzes in der Gruppe. Die Patenschaften erleichtern diesen Prozess in unserem Kinderhaus. So sind die ersten Monate des Kinderhausjahres geprägt von der Gruppenfindung und Eingewöhnung. Gemeinsame Spiele und gemeinsame Aktivitäten stehen im Vordergrund. Ziel ist es neben vielen oberflächlichen Freundschaften auch tiefer gehende Beziehungen und Freundschaften mit anderen Kindern einzugehen. Dies erfordert ein hohes Maß an Selbstbewusstsein, Vertrauen, Kontakt- und Konfliktfähigkeit.

Regeln und Grenzen sind in jeder Kindereinrichtung wichtig und hilfreich. Wir versuchen positiv formulierte Anweisungen zu geben, die beschreiben, was man tun soll (z.B. „Sag es, wenn du das nicht möchtest.”). Dabei ist es gut in der „Ich-Form” zu sprechen und eigene Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Es ist uns wichtig mit den Kindern Regeln aufzustellen und zu erarbeiten.

Wir fördern Rollenspiele in denen die Kinder in andere Personen schlüpfen und verschiedene Verhaltensweisen üben können. Spaßkampf ist ein Spiel und bei uns erlaubt (natürlich mit vorher festgelegten Regeln).

Die Verständigungsformen bei Konflikten können sich manchmal mit Rangeleien und durch Kräftemessen äußern, wobei die Kinder und die Erzieherinnen offen und mit Regeln den Konflikt versuchen zu lösen. In der Regel wird die Erzieherin abwartend die Situation beobachten, da in den meisten Fällen die Kinder selbst eine Lösung des Konflikts herbeiführen. Nur wenn dies nicht möglich ist, wird sie unterstützend eingreifen.

Wir versuchen, den Kindern das Verständnis für andere und die Rücksichtnahme auf andere zu vermitteln. Dabei wird das Kind auch einmal eigene Bedürfnisse und Wünsche zurückstellen und steuern lernen. Hilfsbereitschaft und Empathie sind uns wichtig und erlernbar.

Für die Vorschulkinder besteht die Möglichkeit an einem „Kids-Pro-Kurs“ im katholischen Kindergarten teilzunehmen.

In allen sozialen Belangen wirken die Betreuungspersonen als Vorbild für die Kinder.

Auch hier wird der Beobachtungsbogen PERIK im Kinderhausalltag angewendet, die nötigen Maßnahmen werden eingeleitet.

 

 

4.2.2    Sprach- und mediengewandte Kinder

Sprache und Literacy

„Sprachkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation und ist eine wesentliche Voraussetzung für schulischen und beruflichen Erfolg, für eine volle Teilhabe am gesellschaftlich-kulturellen Leben.”4 (S.207)

Zur Entwicklung der Sprachkompetenz gehören:

  • Die non-verbalen Aspekte von Sprache und Kommunikation. Kinder lernen die Bedeutung von Mimik und Gestik oder Tonfall zu verstehen und entwickeln selbst eine eigene Körpersprache mit Mimik und Gestik. Dies ist gut in Rollenspielen, im Freispiel und in kleinen Theaterstücken zu fördern.
  • Motivation und Fähigkeit zur mündlichen Kommunikation und zum Dialog. Dazu unterstützen die Erzieherinnen bewusst die Fähigkeit eigene Gefühle, Erlebnisse und Gedanken sprachlich mitzuteilen. Ein Stuhlkreis pro Woche ist ein Erzählkreis. Bewusst versuchen wir die Kinder zum Sprechen und Erzählen zu motivieren.
  • Die Entwicklung von Literacy. Mit dem Begriff Literacy sind vielfältige Erfahrungen rund um Bücher, Erzählen, Reimen und Schriftkultur gemeint. Dazu gehören auch Textverständnis, Lesefreude, phonologische Bewusstheit usw. In der Einrichtung wird dies gut umgesetzt durch das Vorhandensein vieler Bücher im offenen Regal in Kinderhöhe und ebenso durch Vorlesen, Erzählen, Reime erlernen, Sprachspiele, Nutzung der Sprachmaterialien (z.B. Lesedosen, Sandpapierbuchstaben, Buchstabenstempel, Alphabet in Groß- und Kleinbuchstaben).

Eine lebendige und differenzierte Gesprächskultur unter Kindern, zwischen Kindern und Erwachsenen ist Bestandteil des gesamten Bildungsgeschehens. Im Laufe des Kinderhaustages tauschen sich die Kinder in der verbalen und nonverbalen Kommunikation aus. Im Rollenspiel und im freien Spiel gebrauchen die Kinder Mimik und Gestik und entwickeln auch oft ihre eigenen Ausdrucksformen gegenüber anderen Kindern, die sie mit positiven sowie negativen Gefühlen ausdrücken. Durch Singen und das miteinander Sprechen im Stuhlkreis oder freiem Spiel, erfahren die Kinder Freude an der Kommunikation. Sie lernen zuzuhören, Erlebnisse und Gedanken mitzuteilen und sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen.

Jedes Kind unserer Einrichtung hat ein eigenes Namensschild, welches je nach Bedarf zu einer angefangenen Arbeit gestellt werden kann. Schnell lernen die Kinder anhand des Schriftbildes ihren Namen zu erkennen und später auch abzuschreiben bzw. frei zu schreiben.

Die Kinder entwickeln Interesse an der Mehrsprachigkeit durch ausländische Kinder in der Einrichtung, stellen Fragen und informieren sich über vorhandene Bilderbücher über die Sprache und die Kultur des Landes.

In der Vorschulzeit wird noch einmal gezielt Sprachförderung und Hinführung zum Lesen und Schreiben eingesetzt. Grundlage bildet hier das Montessori-Material.

Es wird von Anfang an die Sprachentwicklung beobachtet und schriftlich festgehalten. Die Bögen SELDAK und SISMIK werden angewendet und gezielt zur weiteren Sprachförderung ausgewertet.

Je nach Bedarf wird der Vorkurs Deutsch im Kinderhaus und in der Grundschule Allershausen durchgeführt.

Einmal im Jahr wird Englisch über 10 Wochen im Block im Kinderhaus für interessierte Kinder angeboten.
Informations- und Kommunikationstechnik, Medien

Von Anfang an kommen Kinder mit Medien sowie Informations- und Kommunikationstechnik in Berührung. Sie haben großes Interesse daran. Materiell unterscheidet man Medien in Druckmedien (z.B. Bücher, Zeitschriften) und technische Medien (z.B. Fernsehen, Fotoapparat, Computer). Man kann Medien aber auch nach den jeweils angesprochenen Sinnen unterscheiden nach auditiven Medien (Tonmedien, z.B. Radio, CD-Spieler), visuellen Medien (Bildmedien, z.B. Fotos, Dias, Druckmedien) und audiovisuellen Medien (Bild-Ton-Medien, z.B. Fernsehen, Computer). Medienkompetenz ist heute unabdingbar und ein kritischer, bewusster, sachgerechter und verantwortlicher Umgang ist von großer Bedeutung. In unserer Einrichtung legen wir besonders Wert auf den eigenständigen Gebrauch von Druckmedien. Im Gruppenraum und Atelierraum steht ein Bücherregal, in dem wechselnd Bücher für die Kinder zur freien Benutzung ausgestellt sind. Darunter befinden sich auch Nachschlagewerke (z.B. Atlas, Bildwörterbuch).

Weiterhin erlernen die Kinder bei uns den Umgang mit Radio/CD-Player, Geschirrspüler, Elektroherd, Kühlschrank und Fotoapparat. Dabei ist es uns wichtig, einfache Handlungen am Gerät (z.B. Ein- und Ausschalten) und die grundlegende Funktion zu erlernen und zu üben.

 

4.2.3 Fragende und forschende Kinder

Mathematik

Ein Zurechtkommen im Alltag ohne mathematisches Grundverständnis ist heute nicht möglich. Kinder begegnen der Mathematik unbefangen und offen. Sie sind neugierig und haben ein natürliches Interesse an Formen und Zahlen. Ordnen, Vergleichen und Zählen sind Tätigkeiten, die für Kinder mit Spaß, Kreativität und Erfolgserlebnissen verbunden sind. Kinder lernen den Umgang mit Formen, Zahlen, Mengen sowie Raum und Zeit. Vielmehr geht es auch um die Entwicklung typischer mathematischer Denkweisen und Handlungsschemata für die Bewältigung mathematischer Probleme. Deshalb erfolgt die Förderung in drei großen Bereichen: Pränumerischer Bereich, numerischer Bereich und sprachlicher und symbolischer Ausdruck mathematischer Inhalte.

Pränumerischer Bereich:

z.B. Grundlegende Auffassung von Raum und Zeit, Erkennen und Herstellen von Figuren und Mustern, Visuelles und räumliches Vorstellungsvermögen, Verständnis von Relationen (z.B. größer/kleiner), Erkennen geometrischer Formen und Objekte usw.

Numerischer Bereich:

z.B. Zählkompetenz, Grundverständnis über Relationen und mathematische Rechenoperationen, Verständnis von Zahlen als Ausdruck von Menge, Länge, Gewicht, Zeit oder Geld usw.

 

Sprachlicher und symbolischer Ausdruck mathematischer Inhalte:

Gebrauch von Zahlwörtern, Grundbegriffe der zeitlichen Ordnung, Grundbegriffe geometrischer Formen und Körper kennen, Umgang mit Begriffen wie z.B. kleiner, länger usw.

Wichtig ist uns ein spielerischer und ganzheitlicher Umgang mit Mathematik. Dies wird durch das Vorhandensein mathematischen Materials von Montessori begünstigt. In der Einrichtung haben wir dazu das Sinnesmaterial (Rote Stangen, Braune Treppe, Rosa Turm, Einsatzzylinder, Farbige Zylinder, Geometrische Körper, Spiegelecke, Konstruktive Dreiecke) und das Mathematikmaterial (Sandpapierziffern, Ziffern und Chips, Spindelkasten, Numerische Stangen, Hundertertafel, Perlenmaterial, Seguin-Tafel 1). Hinzu kommen andere Materialien (z.B. Regenbogenpyramiden, Bausteine, Material zur Längenmessung, Legematerial Logische Blöcke, „Schatti”, Brick by Brick, Kartenspaß Formen Memo), die sehr gut das mathematische Verständnis fördern. Alle Materialien sind frei zugänglich und werden von den Kindern täglich benutzt. Anhand des Kalenders erfahren die Kinder jeden Tag das Datum und den Wochentag.

Zum Geburtstag verdeutlicht eine Lebenskette (Montessori) den Kindern das Alter des Geburtstagskindes.

Neben der Materialarbeit beziehen wir Mathematik immer in Alltagssituationen mit ein. Es wird gezählt, wie viele Kinder da sind. Es wird gemessen, wie groß etwas ist. Es wird gewogen, wie schwer etwas ist. Dabei ist Mathematik natürlich mit anderen Naturwissenschaften verknüpft und immer mit Sprache gekoppelt. Für die Entwicklung mathematischer Kenntnisse ist es wichtig, Kindern grundlegende mathematische Erfahrungsbereiche regelmäßig anzubieten, z. B. Zahlen, Zahlenwörter, Formen, Mengen oder Messvorgänge. In unserem Kinderhausalltag und in vielen Angeboten ist Mathematik enthalten, wie in Tisch-, Würfel- und Kinderspielen, Fingerspielen, Reimen und Abzählversen, Liedern und rhythmischen Spielangeboten. In der einstündigen, pro Woche stattfindenden Vorschule verstärken Lernangebote gezielt die mathematische Denk- und Handlungsweise.

Naturwissenschaft und Technik

Die Naturwissenschaften widmen sich der planmäßigen Erforschung von belebter und unbelebter Natur. Naturwissenschaftler und Kinder stellen die Frage nach dem „Warum” und „Wie”. Dabei sind sie angetrieben durch Neugier, Freude an Erkenntnis und sind auf der Suche nach Lösungen für praktische Probleme. Die wichtigsten Methoden der Forscher sind Beobachtungen, Messungen und Experimente. Ebenso wie die Naturwissenschaftler sind Kinder neugierig, offen für neue Entdeckungen, ausdauernd, kritisch und unbefangen. Bei Phänomenen können sie staunen und immer wieder erneut versinken über etwas Unbegreiflichem. „Bei Kindern gibt es eine Leidenschaft, Dinge zu verstehen. Leider geht die bei den meisten Menschen später verloren. Ohne diese Leidenschaft gäbe es weder Mathematiker noch Naturwissenschaftler.” (Albert Einstein, zit. nach Burtscher3, 2003, S.7). Diese Leidenschaft gilt es im Kinderhaus zu fördern und zu unterstützen, denn daraus entwickelt sich ein Verständnis für naturwissenschaftliche Probleme und die Freude daran. Das Kindesalter ist die Zeit, wo die sinnliche Wahrnehmung in der Entwicklung der Sprache zeitlich vorausgeht und zur Entwicklung von Denkoperationen bzw. Sprache beiträgt. In keiner anderen Lebensphase kommt den Sinnen eine so große Bedeutung zu. Beim Experimentieren sind sinnliche Erfahrungen unmittelbar gegeben. Kinder erfassen die chemischen und physikalischen Prozesse durch Sehen, Riechen, Schmecken, Anfassen und immer in Verbindung mit dem eigenen, aktiven Handeln. Experimentieren ist somit eine ganzheitliche Sinnesschulung.

 

Wir versuchen, die Kinder naturwissenschaftlich zu fördern, durch die Beobachtung von Alltagsphänomenen, durch gezielte Experimente und durch Materialien, die das Interesse an der Natur und deren Erforschung wecken. Montessori hat die naturwissenschaftliche Erziehung als kosmische Erziehung bezeichnet und auch spezielles Material dafür entwickelt (z.B. Haptischer Globus). In der Einrichtung sind ständig folgende Materialien für die Kinder erreichbar: Lupe, Beobachtungskiste, Bestimmungsbuch, Magnetkonstruktionsmaterial, Hufeisenmagnet, Waage mit Gewichten, Haptischer Globus, Europakarte, Meterstab und Fernrohr sowie ein mechanischer Kasten. Je nach Thema oder Projekt werden die Materialien für Experimente oder Beobachtungen ergänzt und eine Forscherecke eingerichtet. Dabei ist es uns wichtig, die Kinder selbstständig experimentieren zu lassen und durch eine gute Vorbereitung im Sinne einer vorbereiteten Umgebung nach Montessori die freie selbstständige Wiederholung der Experimente zu ermöglichen. In der Einrichtung sind dafür viele Materialien vorhanden. Jedes Kinderhausjahr hat einen Schwerpunkt in der naturwissenschaftlichen Erziehung. So haben wir uns gezielt schon mit Wasser auseinander gesetzt, ebenso mit der Luft und dem Fliegen sowie mit Fledermäusen und deren Leben. Die Geheimnisse des Lichts wurden erforscht (z.B. einfacher Stromkreis, Licht und Schatten). Eingeschlossen in die Projekte ist oft eine Besichtigung, z.B. der Besuch des Flughafens München.

Unsere Werkstatt-Ecke bietet den Kindern die Möglichkeit zum handwerklichen Arbeiten mit Werkbank, Werkzeugen und unterschiedlichsten Materialien. Die Bauecke bietet einen großen Anreiz zum Bauen und Konstruieren.

Naturwissenschaftliche Themen lassen sich sehr gut mit Geschichten, Musikstücken, Bewegungsspielen und bildnerischem Gestalten koppeln.

Im Kinderhausgarten und an den Naturtagen beobachten die Kinder die natürlichen Vorgänge der Veränderungen der Jahreszeiten, beobachten Tiere und Pflanzen und sammeln Naturmaterialien, um sie genau zu untersuchen.

 

4.2.4    Künstlerisch aktive Kinder

Ästhetik, Kunst und Kultur

Die „ästhetische Bildung ist vor allem die Bildung von sinnlicher Wahrnehmung und Kreativität”4. Kinder lernen ihre Umwelt mit allen Sinnen bewusst wahrzunehmen, sie bildnerisch zu gestalten und spielend in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Motor der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung sind Neugier, Lust und Freude am eigenen schöpferischen Tun. Ziel unserer Arbeit ist die Förderung des bildnerischen und darstellenden Gestaltens und der Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit und des Kulturerlebnisses.

Wir in der Einrichtung schaffen eine Atmosphäre, die es den Kindern ermöglicht, ihre Ideen und Einfälle im schöpferischen Tun auszuleben. Dabei ist es für die Kinder sehr wichtig, eine Vielfalt von Materialien und Techniken kennen und benutzen zu lernen. Für den Erzieher ist eine Balance zwischen unterstützender Einflussnahme und gewähren lassen anzustreben.

Wichtig für uns ist auch das Kennenlernen und Vertrautwerden der einzelnen Farben. Unterstützt durch Montessori-Materialien (Farbtäfelchen Kasten 1, 2 und 3 sowie Schattierungskasten der Farben) lernen die Kinder die Farben kennen und die verschiedenen Schattierungen hell bis dunkel. In der Malecke bietet sich die Möglichkeit, Farben pur zu benutzen und neue Farbnuancen zu mischen und deren Wirkung zu erleben.

Kreativräume

In unserem Gruppenraum befindet sich eine Mal- und Bastelecke. Dieser Ort im Raum ist jederzeit für die Kinder zugänglich und bietet eine Fülle von Material zum Malen und Gestalten. Die Raum- und Fensterdekoration in unserer Einrichtung wird immer von den Kindern gestaltet (nicht von den Erzieherinnen!). Daneben haben wir im Atelieraum eine Werkstatt-Ecke und einen Malbereich mit Malwand. Diese Räume werden rege genutzt. In der Werkstatt können maximal zwei Kinder an den zwei Werkbänken arbeiten. Ältere Kinder dürfen in der Werkstatt auch allein arbeiten. Holzabfälle, Korken, Werkzeuge verschiedenster Art und anderes Gestaltungsmaterial bieten eine große Auswahl und ermöglichen kreatives Arbeiten.

In der Malecke befindet sich eine große Malwand, woran großflächig und frei gearbeitet werden kann. Verschiedenste Farben und Malmaterialien stehen zur Verfügung. Die Kinder arbeiten in Kleingruppen oder einzeln. Beides hat sich gut bewährt. Günstig erweist sich der Wechsel von verschiedenen Techniken im freien, aktionsgeladenen Gestalten und ruhigen, meditativen Malen. Eine Staffelei ermöglicht auch das Arbeiten im Freien.

An den Naturtagen regen Materialien aus der Natur zum Gestalten und Verändern an. Blätter, Zapfen, Stöcke, Steine, Moos, Rinde und Erde werden ins Spiel einbezogen bzw. genutzt für individuelle Ideen (z.B. Naturhaus).

Eingebunden in Themen und Projekte werden die Kreativplätze der Einrichtung bewusst genutzt und eventuell gezielt vorbereitet.

Rollenspiel

Ebenso gehört das Rollenspiel zur kreativen Bildung dazu. Die Puppenecke bietet dazu viele Möglichkeiten, aber auch die freie Natur an den Naturtagen. Immer wieder werden auch Geschichten und Märchen in Rollenspiele umgesetzt. Die Vorschulkinder begeisterten sich und uns Eltern und Erzieherinnen z. B. mit der Aufführung eines Theaterstücks „Michel in der Suppenschüssel” zum Sommerabschlussfest. Dabei haben die Kinder in einem Projekt die gesamte Arbeit geplant, überlegt und durchgeführt. Besonders Spaß gemacht hat den Kindern dabei die eigenen individuellen Ideen einzubringen, zu diskutieren und zu spielen. Nötige Utensilien für das Stück wurden selbst hergestellt (Suppenschüssel) oder zu Hause unter Mithilfe der Eltern gesucht und gestaltet (Kleidung).

Zur Faschingszeit ist eine Verkleidungskiste in der Puppenecke gefüllt mit den unterschiedlichsten Kleidungsstücken und Accessoires.

Bildbetrachtung

Durch eine Weiterbildung einer Erzieherin angeregt betrachten die Kinder immer wieder Werke großer Maler und Künstler. Zum Erntedankfest begeisterten sich die Kinder an dem Bild „Der Sommer” (1563) von Giuseppe Arcimboldo. Ein Gesicht aus Früchten und Gemüse hatten die Kinder noch nie gesehen. Umso mehr interessierte sie das Gemälde und dessen Maler.

Je nach Thema und Jahreszeit werden immer wieder Kunstwerke großer Künstler betrachtet.

Musik

Unsere Einrichtung steht in der Verantwortung Musik täglich und vielseitig erlebbar zu machen. Kinder haben eine natürliche Freude an Musik.

Die Musikpädagogik im Kindergartenalltag beruht auf einem spielerischen, ganzheitlichen und prozessorientierten Ansatz. Mit allen Sinnen und emotionaler Beteiligung lernen Kinder am besten Musik zu gestalten und aktiv zu werden. Kinder haben Freude, Geräuschen, Tönen und Klängen in ihrer Umgebung zu lauschen und diese selbst zu produzieren. Musik trägt zu Wohlbefinden, Fantasie, Kreativität, sozialer Kompetenz, kultureller Identität, Sprach- und motorischer Kompetenz bei. Themenbezogen singen wir in unserem Stuhlkreis und/oder bewegen uns dazu. Das Zahnputzlied, das Aufräumlied oder das Begrüßungslied/Abschiedslied begleitet uns täglich. Nach Themen sind Musikstücke und Lieder jeder Art in Angeboten und Projekten im Haus und in der Turnhalle integriert. Oft sind Bewegungen zu den Liedern eingeführt, um auch den 2-jährigen eine Möglichkeit des Mitmachens zu erleichtern und die Lieder aktiv zu verinnerlichen.

Meditations- und Entspannungsmusik finden immer wieder Anwendung (z.B. Geburtstagskreis, Mittagsruhe).

Im Haus zeigt uns ein Musikstück je nach Jahreszeit oder Thema den Beginn des Aufräumens an.

Ein CD-Player ist unverzichtbar und wird täglich genutzt. Unsere Einrichtung verfügt über eine reiche Auswahl an Musikinstrumenten. Dazu gehören verschiedene Rhythmus-Instrumente, Trommeln, Rasseln, Glockenspiele, Klangstäbe u.a. Die Musikinstrumente werden oft im Morgenkreis benutzt, um Lieder zu begleiten, Rhythmen zu erlernen, Klanggeschichten umzusetzen, Tänze zu probieren und Stimmungen auszudrücken.

Immer wieder malen die Kinder nach Musikstücken an der Malwand.

In der Einrichtung haben wir auch einige Kinderbücher, die sich mit Musik befassen.

An gemeinsamen Aktivitäten wie St.-Martinsfest oder Weihnachtsfest versuchen wir uns immer durch instrumentalen Einsatz aus den Familien zu verstärken.

4.2.5 Starke Kinder

Bewegung, Turnen, Sport

Die Bewegungsmöglichkeiten in unserer Einrichtung für Kinder sind vielseitig. So haben Kinder die Möglichkeit, sich zu bewegen:

  • am Turntag (Freitag)
  • bei Stuhlkreis- und Bewegungsspielen
  • beim Freispiel
  • im Garten
  • am Naturtag (Dienstag)

„Bewegung zählt zu den grundlegenden Betätigungs- und Ausdrucksformen von Kindern. Kinder haben einen natürlichen Drang und eine Freude daran, sich zu bewegen.”4 (S. 354) Für sie ist Bewegung ein wichtiges Mittel, Wissen über ihre Umwelt zu „begreifen” und ihre Fähigkeiten kennenzulernen. Alle Äußerungen des Kindes erfordern motorische Aktivitäten. Bewegung gilt zu Recht als wesentlicher Bestandteil der Erziehung. Bewegungserfahrungen sind für die Gesamtentwicklung des Kindes entscheidend. Die Verbesserung der motorischen Leistungen des Kindes steigert seine Unabhängigkeit, sein Selbstvertrauen, sein Selbstbild und sein Ansehen bei Gleichaltrigen.

Bewegungsspiele bieten vielfältige Möglichkeiten, sich mit oder ohne Worte auszudrücken und sich mit anderen auszutauschen. Bei gemeinsamen Bewegungsspielen können die Kinder erkennen, dass soziale Regeln notwendig sowie Kooperation, gegenseitige Rücksichtnahme und Hilfe für alle von Vorteil sind. Auch die Möglichkeiten zum Abbau von Spannungen und Aggressionen sind vielseitig. Das Vertrauen in die eigene Person und das Selbstbild wird wesentlich geprägt von der Körpererfahrung in den ersten Lebensjahren. Unsere Bewegungsstunden finden jeweils am Freitag statt. Jede Übungseinheit ist an einem bestimmten Thema (z.B. „Der Walnussbaum” oder „Die fleißigen Bienen”) ausgerichtet.

Unsere Bewegungseinheiten beinhalten außer Turn- und Sportaktivitäten sowie Körperkontrollübungen auch Elemente von Rhythmik und Psychomotorik und – soweit möglich und zum Thema passend – auch Tanz. Dabei orientieren wir uns auch an den Inhalten des ‚TigerKid‘-Projektes, das von einem Hochschulteam an der Universität Karlsruhe entwickelt wurde. Am Anfang und am Ende steht jeweils ein Bewegungsspiel. Besonderer Wert wird beim Ablauf darauf gelegt, dass die Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Entspannung erleben. Entspannungsübungen in Form von Traum- und Fantasiereisen oder gegenseitigen Massagen werden kindgerecht eingesetzt. Einmal im Jahr findet in unserer Einrichtung ein Sportfest statt.

Psychomotorik

Psychomotorik setzt bei der Bewegungsfreude der Kinder an. Sie vermittelt Körper-, Material- und Sozialerfahrungen und unterstützt so die gesamte Persönlichkeitsentwicklung ohne Leistungsdruck und Versagensangst. Psychomotorik betont den Zusammenhang von Wahrnehmen, Bewegen, Erleben und Handeln. Ihre Kernfrage lautet nicht: „Wie kann ich die motorische Handlung, den Bewegungsablauf des Kindes verbessern?”, sondern: „Wie wirkt die motorische Handlung auf das Kind zurück, auf sein Selbstbild, sein Körperschema, seine Motivation?” Psychomotorische Übungen eignen sich, um Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes auszugleichen sowie das Selbstwertgefühl zu stärken. Sie sprechen gehemmte, ängstliche oder antriebsarme Kinder ebenso an wie unruhige, hyperaktive und aggressive Kinder, auch unterschiedlichste Wahrnehmungsstörungen werden positiv beeinflusst.

Rhythmik

In der Rhythmik sind Bewegung, Musik, Sprache und Rhythmus aufeinander bezogen. Rhythmik vermittelt Raum-, und Zeiterfahrungen. Raumerfahrungen: Über das Erleben räumlicher Begriffe hinaus, z.B. rechts/links, oben/unten, gerade/eckig wird es den Kindern möglich, sich bewusst zum Raum in Beziehung zu setzen. Zeiterfahrungen: Bewegung hat einen Anfang und ein Ende, kann kurz oder lang dauern, schnell oder langsam sein. Mit Hilfe von rhythmischen Übungen wird Kindern diese Bewegungszeit erfahrbar gemacht. Die Ziele der Rhythmik lassen sich über zwei methodische Wege erreichen: Musik-(Instrumente) und Sprache werden als Hilfsmittel eingesetzt, um die Bewegung zu stimulieren, zu ordnen, zu unterbrechen oder zu beenden.

Tanz

Tanz gehört wie Bewegung und Spiel zu den elementaren menschlichen Ausdrucksformen. Kinder setzen das Hören von Musik spontan in Bewegung um. Rhythmische Musik und Kinderlieder fordern sie zum Wippen mit dem Körper, zum Klatschen und Drehen heraus. Nach dem Rhythmus der Musik experimentieren die Kinder mit verschiedenen Bewegungsarten und verfeinern so ihr Ausdrucksvermögen. Durch Einbezug von Materialien und Objekten ( z.B. Luftballons ) lässt sich der Bewegungsausdruck weiter ausbauen, variieren und betonen.

Unsere Bewegungseinheiten beinhalten immer Elemente von Rhythmik und Psychomotorik und soweit möglich und zum Thema passend auch Tanz. Am Anfang und am Ende steht jeweils ein Bewegungsspiel. Besonderer Wert wird beim Ablauf darauf gelegt, dass die Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von Spannung und Entspannung erleben.

An den Naturtagen erfreuen sich die Kinder daran, auf Bäume zu klettern und damit die Welt zu entdecken. Die Förderung im psychomotorischen Bereich findet an den Naturtagen und in den Waldwochen unter idealen Bedingungen statt.

Gesundheit

Nach der Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist Gesundheit ein Zustand von körperlichem, seelischem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. In unserer Einrichtung findet eine bewusste Gesundheitsvorsorge statt. Zu ihren Kernbereichen zählen:

  • Zähneputzen nach allen Mahlzeiten
  • Händewaschen vor den Mahlzeiten, nach Aktivitäten und nach dem Toilettengang
  • Biologische Vollwert-Brotzeit mit Wasser und ungesüßtem Kräuter- und Früchtetee
  • Tägliche Bewegung durch Freispiel im Garten bei jedem Wetter
  • Naturtag mit freien Bewegungsmöglichkeiten bei jedem Wetter
  • Einmal wöchentlich gezielte sportliche Betätigung
  • Ausgleich und Entspannung nach körperlicher oder geistiger Anspannung
  • Verantwortlicher Umgang mit Krankheiten
  • Verkehrserziehung
  • Hygieneerziehung (z.B. Hände waschen vor der Mithilfe der Brotzeitvorbereitung oder des Kochens und Backens)
  • Sauberkeitserziehung (Abgewöhnung der Windel, Toilettengang)

Jährlich besucht uns unsere begleitende Zahnärztin, die uns Informationen über Aufbau und Funktion der Zähne, sowie Paradontitis- und Kariesentstehung vermittelt. Ebenso besuchen wir in jedem Kinderhausjahr ihre Praxis und können ihre Arbeit beobachten und Fragen stellen.

Zusätzlich nehmen wir an der Aktion Seelöwe der LAGZ teil.

Durch Anspannung und Entspannung bzw. Bewegung im Wechsel entwickeln die Kinder ein Gespür, was ihnen gut tut und ihrer Gesundheit dient. Sie erlernen erste Möglichkeiten, Stress abzubauen (z.B. Meditation, Mandalas, Bewegung im Garten).

Der Naturtag bietet viel Bewegung an der frischen Luft. Ohne vorgefertigtes Material lernen die Kinder sich zu beschäftigen und auch einmal Langeweile auszuhalten, was auch zur Suchtprävention beiträgt.

Jedes Jahr sind wir im Waldprojekt für längere Zeit im Wald.

Wir haben am Projekt „Tiger-Kids” zur Förderung der gesunden Lebensweise erfolgreich teilgenommen.

Lebenspraxis

Wichtige Tätigkeiten des Alltags werden mittels der Montessori Materialien der Übungen des täglichen Lebens geschult und erlernt. Dazu gehören z.B. Schütten von Flüssigkeiten, Löffeln verschiedener Materialien, Sieben, Gießen der Pflanzen, Schuhe putzen, Aufkehren und Wäsche waschen. Die Anziehrahmen vereinfachen das Erlernen des Schleifebindens, Knöpfe- und Reißverschlüsse-Öffnens und -Schließens. Übungen mit der Tropfpipette, Pinzette und Zange helfen, die Feinmotorik zu schulen und stärken das Selbstbewusstsein. Diese Tätigkeiten werden im Alltag immer wieder geübt. Es ist uns wichtig, dass die Kinder selbstständig am Tisch ihr Getränk eingießen. Beim täglichen miteinander Frühstücken und Mittagessen lernen die Kinder die Esskultur und Tischmanieren. Der Umgang mit Messer und Gabel wird bei uns eingeübt. In den Ferienzeiten und zu bestimmten Themen wird mit den Kindern gemeinsam gekocht. Dabei lernen die Kinder Speisen zuzubereiten und die einzelnen Lebensmittel kennen. Erste Koch- und Backerfahrungen werden gesammelt. Die Brotzeit wird generell unter Mithilfe von Kindern vorbereitet (Gemüse schälen, Obst schneiden, Brote schmieren).

Die Kinder decken selbstständig den Frühstückstisch. Das Tischabräumen ist eine Selbstverständlichkeit.

Die Kinder spülen und trocknen das Frühstückgeschirr selbstständig ab und räumen den Geschirrspüler ein.

Zum Selbstständigwerden eines Kindes gehört unbedingt das eigenständige Aus- und Anziehen von Kleidungsstücken. Über einen langen Zeitraum hinweg erlernen die Kinder bis zum Vorschulalter das vollständig eigenständige An- bzw. Ausziehen.

Höflichkeits- und Benimmregeln werden angewendet und geübt.

 

5          Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

Die Mitarbeit der Eltern und damit der Vereinsmitglieder ist erforderlich und auch verbindlich!

Ständige und besonders wichtige Dienste der Eltern sind:

  • Betreuungsdienste
  • Arbeit in den Arbeitsgruppen: Vorstand, Haus und Garten, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Planung, Einkauf, Hausdame, Feste und Veranstaltungen
  • Unterstützung der Erzieherinnen
  • Teilnahme an Elternabenden, einschließlich der Erstellung von Elternabendprotokollen
  • Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen (z.B. Christkindlmarkt)

 

6          Literaturverzeichnis

  • 1 Montessori, Maria: Kinder lernen schöpferisch, hrsg. von I. Becker-Textor, Freiburg 1994.
  • 2 Miklitz, Ingrid: Der Waldkindergarten, Luchterhand Verlag, Neuwied 2001.
  • 3 Burtscher, Irmgard Maria: Natur-&Himmelsforscher, Don Bosco Verlag, München 2003.
  • 4 Staatsinstitut für Frühpädagogik München: Der Bayrische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2006.

 

Impressum

Datum:                                    Februar 2016, Allershausen

Herausgeber:                         Team und Vorstand Kinderhaus Pusteblume e.V. Kirchstr. 2, 85391 Allershausen

Verantwortlich für den Inhalt:             Anita Ziegner (Pädagogische Leitung), Stefan Mies (1. Vorstand), Nadine Stange (2. Vorstand), Alessandro La Blunda (Finanzvorstand)

Bezugsmöglichkeit:              www.kinderhaus-pusteblume.de und gedruckte Fassung